Radikal ehrlich: Ein Text aus dem wahren Leben

Wer die Fahnen der Wahrheit schwenkt, sollte mit gutem Beispiel vorangehen

 

Nun ist sie da – meine neue Homepage. Sie widmet sich den Werten, der Wahrheit und der Haltung.

Kann ich es wirklich guten Gewissens vertreten, diese Dienstleistung anzubieten? Anzubieten, dass man sich konzentriert auf die Suche nach der eigenen Wahrheit, den eigenen Werten und der eigenen Haltung macht? Kann ich? Darf ich? Sollte ich?

Wo doch fast kein Tag vergeht, an dem ich NICHT ein kleines Stell-dich-ein mit der Angst habe. Mit meiner Angst. Mein Gott, in 1.000 Varianten sitzt sie hier am Tisch. R-e-g-e-l-m-ä-s-s-i-g.

Regelmäßig. Dabei ist sie alles, aber bestimmt nicht mäßig. Maßhalten – das kann sie einfach nicht. Sie kann nicht in klein, sie kann schon gar nicht in mini. Für meinen Geschmack geht sie immer zu weit über alles hinaus. Grenzen? Kennt Madame scheinbar nicht.

Maß halten oder maßhalten? Jetzt nach neuer Rechtschreibung oder nach alter? Würde sie in persona vor mir sitzen, würde ich sie fragen, wie sie’s denn jetzt gerne hätte. Und wie auf keinen Fall. Sitzt aber nicht in persona vor mir und deshalb frage ich auch gar nicht erst nach.

 

Statt glorifizierend zu besänftigen, einfach mal radikal ehrlich sein.

Zu Anfang erst einmal sich selbst gegenüber. Wenigstens. Ja natürlich kenne ich das Buch „den Dämonen Nahrung geben“. Natürlich kenne ich die Imaginations-Therapie. Natürlich sagt mir die Grübelschlaufe der 5er-Fixierung etwas. Natürlich habe ich Riemann’s „Grundformen der Angst gelesen“. Aber Madame sitzt dennoch hier am Tisch.

Die altbekannte Strategie auspacken? In operative Hektik ausbrechen? Weglaufen? Ja wohin denn noch, ist doch alles bereits abgegrast. Sämtliche Fluchtwege sind bekannt. Startpunkt war immer die Angst. Die Fluchtwege lassen sich auch in wenigen Worten beschreiben.

„Sich kümmern um“ – sehr beliebte Strategie. Ganz sicher – irgendwo gibt es immer jemanden oder etwas, um den oder um das man sich kümmern kann. Die Bude aufräumen? Die Strategie hat sich als so bewährt erwiesen, dass mittlerweile sogar unangemeldeter Besuch einfallen kann.

Bügeln? Ich hasse bügeln, liebe es aber, anständig gebügelte und knitterfreie Lieblingsklamotten zu tragen. Zum Bügeln gibt es also gerade nichts.

Schlafen? Bei aller Leidenschaft für ein ausgeschlafenes Leben – ich bin ausgeschlafen. Die Schlaf-Option ist also auch keine, die sich als tragfähig erweisen würde. Fachbuch lesen? Lebensmittel einkaufen? Projektplan erstellen? Nein, ich bleibe jetzt hier. Hier, mit meiner Angst.

 

Warum radikale Ehrlichkeit befreit. Unglaublich befreit!

Mein Projekt steht und ich habe viel dafür getan. Es war mir nicht einmal zu blöde, fast ein ganzes Leben lang dafür zu trainieren. Der Einstieg war ja auch etwas ganz Besonderes.

„Bist du zu dämlich?“ Exakt diesen Satz hörte ich in den ersten Grundschuljahren. Na klar, wer es schafft, in der Berichtigung der Mathe-Arbeit noch einen weiteren Fehler zu kreieren, der muss einfach dämlich sein. Diese Ansicht vertrat meine Grundschullehrerin – und rannte offene Türen ein.

Ich rannte nach Hause, stellte mich vor den Spiegel und suchte nach Merkmalen der Dämlichkeit. Und fand sie in allen Schattierungen. Ich fand sie in meinem Gesicht und wenn ich genau hinfühlte, dann war da noch ein riesengroßer Vorrat an weiteren Dämlichkeiten.

Gänzlich unentdeckt, aber jetzt Gott sei Dank benannt. Ich hätte das ja eher in einer Deutschstunde erwartet, aber bitte. Dann halt Mathe. Woher das Wissen kommt, ist doch egal. Und bei der Diagnose dann doch schon scheißegal.

Also, gut gerüstet mit all der Dämlichkeit weiter in der Schulkarriere. So heißt es doch immer: die Welt ist nicht so, wie sie ist. Die Welt ist so, wie wir sie sehen. Und auch wenn ich mich nicht für die Welt halte – ich war nicht so, wie ich war – ich war einfach dämlich. Das konnte ja heiter werden. Zeitweise hatte ich sogar das sichere Gefühl, ich hätte es irgendwo unsichtbar, aber trotzdem sehr gut sichtbar, eintätowiert.

Studium der Innenarchitektur? „Können Sie vergessen – mit den Noten in Mathematik.“ „Ach so, Psychologie-Studium? Können Sie vergessen. Dazu brauchen Sie Statistik – und mit den Noten in Mathematik eher unwahrscheinlich.“

Ja klar, so ging das über Jahre weiter. Reich an Varianten, zahlreich in seinen Erscheinungsformen. Und immer mit dabei? Madame. So präsent, wie ich gerne gewesen wäre, so präsent war Madame, meine Angst.

Ich hatte so viel davon, dass ich manchmal schon Angst davor hatte, dass für die anderen gar nichts mehr übrig blieb. Aber heute denke ich, davon ist genug vorhanden. Das ist wie mit der Luft. Die kann ich auch niemand anderem weg-atmen. Das gleiche scheinbar mit der Angst – davon kann ich haben, so viel wie ich will – für die anderen ist immer noch genug da.

 

Ganz ehrlich? Angst ist genug für alle da!

Und jetzt ganz ehrlich. Auch wenn wir hier tagtäglich sitzen, Madame und ich, in schönster Zweisamkeit. Noch nie, aber wirklich nie, hat jemand angeläutet und gesagt: „Verzeihung, aber kann es sein, dass du die Angst verbraucht hast? Die ganze Angst? Kannst du mir bitte kurz etwas davon ausleihen?“

Kam einfach noch nicht vor. Und so bin ich mir sicher:  Angst ist genug für alle da ist.

„Bist du zu dämlich“ wirkt bis heute einigermaßen gut. Fragen stellen und dann nochmals nachfragen? Um Himmels Willen – ich habe doch schon in der Grundschule gelernt, was dann passieren kann. Zu Fehlern hätte ich ja vielleicht noch den Mut, aber dann, nach einem Fehler, wieder dieses Gefühls-Repertoire von Dämlichkeit zu durchleben. Alles. Wirklich alles – aber bitte das nicht.

Verhinderungsstrategie. Nächster Teil? Als Verhinderungs-Profi sollte das doch nicht so schwierig sein. War es auch nicht – und als erstes wählte ich die Depression. Habe mich den dunkelsten Momenten gestellt, bin noch tiefer getaucht, schwamm in der Starre umher und tauchte wieder auf, um mich Stück für Stück wieder zusammenzusetzen. Schluckte ein halbes Jahr die entsprechenden Pillen und stellte irgendwann die Frage, ob es auch ohne gehen könnte. Wie lange es wohl dauern würde, diese Dinger abzusetzen? Der Arzt riet kopfschüttelnd davon ab – und ich tat genau das. Zack, weg mit den Dingern.

Und zwar von jetzt auf gleich. Willkommen zurück im Leben der Dämlichkeit.

So geht das nicht, her mit der nächsten Verhinderungsstrategie. Die erste hieß „arbeiten bis zum Umfallen“. Ausscheren aus der Strategie wurde mit Migräneanfällen belohnt. Nee, keine kleinen Kopfschmerzen. Migräne in reinster Form. Also weitergearbeitet. Zig Dinge getan, um dieser Luxusvariante von Kopfschmerzen an die Wurzeln zu gehen. Die Erkenntnis? Meine Depression – nix anderes als nicht-gelebte Lebensenergie.

Aber, hey, hier auf dem Planeten gibt es alles. Wirklich alles. Da muss doch noch mehr gehen, um nicht hinsehen zu müssen, oder? Die Lösung war ganz einfach und hieß „ab in eine außergewöhnliche Beziehung“.

Das war dann auch die beste aller meiner Strategien. Super war das, eine richtig gute Entscheidung. Und obwohl genau das das Dämlichste war, was ich hatte tun können – es funktionierte. Für gute zwölf Jahre funktionierte das tadellos. Kein Platz mehr für die scheinbar auf ewig eingewebte Frage, ob ich zu dämlich sei. Ich tat es einfach. Ich glaubte nicht nur, mit jeder Faser zu lieben, ich tat es. Es gab kein „ich“ mehr.

 

Die unausweichlichen Folgen radikaler Ehrlichkeit

Nach Risiken und Nebenwirkungen fragt man besser nicht – die lassen sich ohnehin nicht vermeiden

Weiterer „Vorteil“: es gab mit der Zeit keine Kraftreserven mehr. Zig mal gegangen, zig mal zurückgegangen. Wieder gegangen, wieder zurückgegangen. Schließlich tat es in jeder Zelle weh, also wieder zurück in den Dramen-Dschungel. Genau bis zum Tag X. Tag X mag ich sehr. Tag X war – und ist – der Tag, an dem ich gegangen bin.

Wohin? Na, zu mir. Zu mir und zu allem, was dazugehört, wenn man sein Leben mal eben radikal ehrlich in Schutt und Asche gelegt hat. Um danach den Phönix zu geben.

Werde ich weiterhin Angst haben? Keine Ahnung.

Werde ich weiterhin ehrlich sein? Ganz sicher zu dir und ganz sicher zu mir.

Lust deine Nase künftig in deine eigene Wahrheit zu stecken?

 

Der WertToGo ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

FrauSteffen

FrauSteffen

Mein Name ist Hilde-Friederike Steffen und ich bin dann zur Stelle, wenn du dich auf den Weg zu deiner Wahrheit, deinen Werten und deiner Haltung machen willst. Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie das mit dem Verbiegen so ist. Die meisten Wege, um der eigenen Wahrheit „erfolgreich“ aus dem Weg zu gehen, bin ich selbst gegangen. Man könnte auch sagen, dass ich genau darin Profi war.

Nun bin ich da. Damit niemand auch nur einen Tag länger das Gefühl ertragen muss, an seiner eigenen Wahrheit zu ersticken. Das ist mein Antrieb. Ich werde gemeinsam mit dir das Zuhause deiner eigenen Wahrheit erbauen. Ich werde dich lassen wie du bist, werde aber alles dafür tun, damit du weißt, wer du bist. Wir werden in konzentrierter Ruhe arbeiten – ohne Eile. Ich werde rücksichtsvoll zu dir sein – und deine Würde unverletzt lassen. Und ja, wir werden mit Humor arbeiten – denn nicht ohne Grund bezeichne ich mich als „die Garderobenfrau im Theater deiner Wahrheit“.